

„Ist das nicht heiß?!“ fragt mich Tina mit großen Augen und zieht ihren Arm zurück. Ich wollte gerade einen Tropfen der flüssigen Massagekerze auf ihre Haut träufeln und lache: „Nein, keine Angst. Das ist wie ein Balsam. Die Öle in dieser Kerze schmelzen nur durch die Flamme. So heiß wie echtes Wachs wird das nicht.“ Mutig hält Tina mir ihren bloßen Unterarm wieder hin und ich träufle vorsichtig etwas von der geschmolzenen Kerze aus dem Metalldöschen auf eine Stelle. „Nö, ist gar nicht heiß!“ stellt sie fest. „Siehste, sag ich doch,“ kontere ich. „Guck mal, es gibt sogar noch ein goldiges Massageöl im gleichen Duft dazu!“ Jetzt werden auch Tomas und Matthias neugierg. Eigentlich wollten wir uns an diesem Abend wie gewohnt zum Wohnzimmer-Krimi-Gucken treffen, aber schon sind wir mitten drin im großen Schau-mal-was-ich-hier-entdeckt-habe-Test.
Ich zeige den Dreien die Errungenschaft meines letzten sinnlichen Einkaufs: Das Massagset Hulie d'Or de Luxe und die dazu passende Massagekerze in der Duftrichtung Vanille. Tomas schnappt sich gleich die Flasche Huile d'Or und schüttelt sie kräftig. Der Effekt gleicht einer Schneekugel. Tausende winziger Goldpartikel tanzen in dem Öl auf und ab. Schöner Nebeneffekt: Anders als bei einer Schneekugeln sinken die Goldkörnchen nicht nach unten, sondern verharren dekorativ im Schwebezustand. „Das will ich auch testen! Schließlich hab ich zwei Arme!“ ruft Tina und streift gleich den zweiten Ärmel hoch. Tomas öffnet die Flasche mit dem glitzernden Öl und gibt zwei Spitzer davon auf ihren Arm. „Ist das echtes Gold?“ fragt er ungläubig. „Warte mal“, sagt Tina und greift nach der Flasche, „auf dem Etikett mit den Inhaltstoffen steht – huch, das kann man ja kaum lesen – doch hier steht es: Aurum. Wenn ich in meiner Gedächtnisschublade für Latein krame, könnte das Gold heißen.“ Wir schweigen beeindruckt. Das wirkt wahrhaft luxuriös. „So, und wer massiert mich jetzt?“ fragt Tina auffordernd. Ich schnappe mir ihren Arm und verstreiche das Öl. Die Goldpartikelchen lösen sich dabei auf, hinterlassen aber kein Glitzern auf der Haut, wie wir es erwartet hätten. Dafür gefällt uns die Konsistenz des Öl, denn es bleibt auf der Haut, so dass man lange massieren kann, ohne neues Öl nachzugeben.
Dann schnuppern alle an Tinas Arm und jeder hat eine andere Meinung zum Duft. Matthias hat Pech, er mag leider kein Vanillearoma. Tomas findet es hingegen toll. Ich rieche eher etwas, dass mich an Weizenkeimöl erinnert und Tina findet den Duft zu wenig vanillig. „Mensch, wir haben ja die Kerze ganz vergessen!“ erinnere ich die anderen an Teil II des Massage-Sets. Jetzt sind die Arme der Männer dran. Die flüssige Kerze verwandelt sich auf der Haut sofort in eine helle salbenartige Creme, die schneller einzieht als das Öl. Vermutlich haben wir die Kerze zu lang brennen lassen, denn der Geruch des angebrannten Dochtes überlagert den zarten Vanilleduft. Also lieber die 20-Minuten-Brenndauer-Angabe des Herstellers auf der silbernen Metalldose missachten und nur wenige Minuten brennen lassen, bis eine zum Massieren ausreichende Menge geschmolzen ist.
Vor uns auf dem Tischchen glitzert das luxuriöse Goldöl, dahinter brennt die Massagekerze. Und wir, wohlig nach Vanille duftend, denken alle vier das Gleiche: Wie Weihnachten ...